Das Bauhaus kommt aus Weimar Klassik-Stiftung Weimar
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Franz Ehrlich. Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager

Inschrift am Eingangstor des KZ Buchenwald

2. August bis 11. Oktober 2009

Neues Museum Weimar
Di-So 11.00–18.00 Uhr
— Eintritt frei —

Eine Ausstellung der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar


Franz Ehrlich (1907–1984), Meisterschüler am Bauhaus Dessau, Designer und Architekt, gehört zu den Bauhäuslern, deren Werk gerade in jüngster Zeit neu entdeckt wird. Die Ausstellung öffnet einen schmalen, aber wichtigen Ausschnitt daraus. Sie thematisiert Ehrlichs Zeit im antifaschistischen Widerstand, im Zuchthaus und im Konzentrationslager Buchenwald, wo er bis 1939 gefangen gehalten wurde. Die wenigen Arbeiten aus diesen Jahren verweisen nicht zuletzt auf eine kaum bekannte Seite der Geschichte des Bauhauses: Nur eine kleine Minderheit von Bauhausschülern geht in den Widerstand, riskiert das Ende ihres Schaffens und setzt ihr Leben aus Spiel. Franz Ehrlich zeigt auch im Konzentrationslager Haltung. 1938 befiehlt ihm der SS-Bauleiter, einen typografischen Entwurf für den Spruch »Jedem das Seine« anzufertigen. Im Lagertor nach innen lesbar angebracht, soll er das Recht der SS auf brutale Aussonderung und Ermordung der Anderen demonstrieren. Ehrlich entwirft die Buchstaben in Anlehnung an die Meister des Bauhauses und an seinen Lehrer Joost Schmidt. Die Typografie wird so zur subtilen Intervention gegen den Geist der Inschrift. Nach der Haftentlassung bis zur Einberufung zum Strafbataillon 999 muss Ehrlich von Aufträgen der SS leben. So präsentiert die Ausstellung künstlerische Zeugnisse einer Selbstbehauptung, die auch Zwänge und den Verlust schöpferischer Entfaltungsmöglichkeiten einschloss.

Der letzte Teil der Ausstellung ist einem anderen Werk vorbehalten und ganz unabhängig entstanden: -273,15 °C = 0° Kelvin, eine Medieninstallation von Maroan el Sani und Nina Fischer über das Rundfunkhaus Berlin, Nalepastraße, Franz Ehrlichs Meisterwerk. Hier ist es wie eine Hommage an ihn.


Ausstellungs-Flyer
Ausstellungs-Flyer
(PDF 664KB)